Pornos und der triebgesteuerte Mann

Die Ideationweek ist vorbei und damit das Arbeiten und Nachdenken über die Bachelorarbeit bereits wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Dennoch lässt mich mein gewähltes Thema seither nicht so ganz los und liefert immer mal wieder spannenden Gesprächsstoff.


«Wieso sollte eine Frau alleine einen Porno schauen?» oder «Männer haben ja sowieso immer Lust und möchten und können jederzeit.» – zwei Aussagen, die in einem kürzlich geführten Gespräch mit einer Person aus der sogenannten Generation X gefallen waren und mich stutzig und mir die Generationenunterschiede mal wieder umso bewusster machten. Obwohl ich den Fokus bei meiner Bachelorarbeit auf das Liebes- und Sexleben meiner Generation legen möchte, scheint mir der Austausch mit älteren Generationen genauso relevant. Möchte ich doch unter anderem herausfinden, weshalb meine Generation heute deutlich weniger Sex hat als die Gleichaltrigen der vorherigen Generationen. Bisherige Erfahrung: Nicht nur die sexuelle Aktivität unterscheidet sich, sondern auch die Art und Weise wie Sex wahrgenommen und kommuniziert wird.


* Kurz zum Verständnis: Meine Generation – also Menschen geboren zwischen 1980 und 2000 – wird als Generation Y bezeichnet. Die vorherige Generation ist Generation X – geboren zwischen 1965 und 1975. Ausserdem ist mir an dieser Stelle wichtig zu klären, dass die hier erwähnten Anekdoten bloss Denkanstösse für die weitere Arbeit bieten und nicht als repräsentative Referenz für die allgemeine Meinung aufgefasst werden sollen.


Bereits beim Thema «Porno» gehen die Vorstellungen der beiden Generationen auseinander. Scheint die Mehrheit der Frauen der Generation X immer noch darüber zu munkeln, ob und wie oft Männer Pornos schauen, interessiere ich mich als Frau der Generation Y mehr dafür, wie gleichgestellt Frauen im Bezug auf das Porno-Angebot sind. «Wieso sollte eine Frau alleine einen Porno schauen?», wurde ich von Generation X gefragt. Meine Antwort lautet darauf: «Wieso sollte sie denn nicht?» Zahlen zeigen zwar, dass regelmässige Porno-Konsument*innen nach wie vor eher männlich sind, doch soll das bedeuten, dass bloss Männer ein Interesse an Pornos haben? Oder liegt es nicht eher daran, dass die Porno-Industrie nach wie vor eher auf das männliche Zielpublikum ausgerichtet ist und sich Frauen nicht genügend berücksichtigt fühlen? Auch eine spannende Frage seitens Generation X: «Was soll denn an einem Porno für Frauen anders sein?»


Auch sonst scheint der Mann immer noch als das sexuell triebgesteuerte Geschlecht zu gelten – meint zumindest Generation X. «Ein Mann kann einer Frau in sexy Unterwäsche doch nicht widerstehen.» Da höre ich aber bei Gesprächen mit gleichaltrigen Kolleginnen ein anderes Echo. Leistungs- und Gesellschaftsdruck, Unzufriedenheit mit sich selbst, den Kopf zu voll haben – das kann auch Männern die Lust verderben. Da kann die Lingerie noch so schön sein.


Beim erwähnten Gespräch wurde ich zudem gefragt, auf welches Geschlecht ich mich bei der Arbeit konzentrieren möchte. Eine Plattform mit Informationen, die Männer wie auch Frauen und alles dazwischen anspricht, scheint schwer umsetzbar zu sein. Da bin ich ganz anderer Meinung! Das Thema beschäftigt jeden von uns und ich finde es essentiell, dass man sich eben auch mit den Bedürfnissen, Meinungen und Unsicherheiten der anderen beschäftigt. Denn genau um das geht es ja bei der Liebe und beim Sex!


Was aber auch mir in diesem Zusammenhang auffällt: Bei der Recherche stosse ich immer wieder auf Plattformen und Angebote, die sich in irgendeiner Art mit meiner Idee kreuzen. Doch in den meisten Fällen wirkt das Design und die Sprache eher auf Frauen ausgerichtet. Liebliche Farben wie rosa, violett und pink kommen zum Einsatz. Geschlechtsteile werden mit Früchten, Gemüse und Blumen visualisiert. Das männliche Geschlecht wird durch blau und das weibliche Geschlecht durch pink repräsentiert.


Damit ich nicht auch in diesen einseitigen Mood verfalle, habe ich bereits jetzt mit Farben und dem Design gespielt. Ich möchte nämlich eine ganze Palette an Menschen ansprechen!



Die Farben werden sich im Verlauf der Arbeit wahrscheinlich noch etliche Male verändern. Da ich aber gerne bereits von Anfang an visuell arbeite, orientiere ich mich momentan an diesen Farben.

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Portfolio von Selina Bärtschi //  Editorial >> Kontakt